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PostHeaderIcon Gleicher Lohn für gleiche Arbeit


So lautet die Kampfansage, unter der sich immer wieder Menschen für gerechte Entlohnung eingesetzt haben und einsetzen. Und dafür gilt es immer wieder in der Gesellschaft und in den wirtschaftlichen und politischen Strukturen zu kämpfen und zu streiten. Ich halte es für ein elementares Grundrecht, dass Menschen für ihre erbrachte Leistung angemessen entlohnt werden. Eine solche Gerechtigkeit stellt sich nicht von selbst ein. Sie will erstritten sein. Aber ohne diese kann eine Gesellschaft auf Dauer nicht funktionieren.

Nun gibt es aber auch noch eine andere Gerechtigkeit. Eine Gerechtigkeit, die von ganz anderer Art ist. Jesus erzählt im Sonntagsevangelium für diese Woche davon. Und er tut es in provozierender Weise: Ein Weinbergbesitzer stellt Tagelöhner nach der Art wie es damals üblich war für die Arbeit in seinem Weinberg ein. Die ersten früh am Morgen, die nächsten um 9 Uhr, wieder andere um 15 Uhr, die letzten kurz vor Feierabend, je nachdem, wie es die Umstände ergeben. Am Abend zahlt er allen den gleichen Lohn aus, und zwar den, den er mit den früh am Morgen Eingestellten vereinbart hatte. – Was für eine Ungerechtigkeit...! Und den verwunderten bis erbosten Arbeitern sagt der Weinbergbesitzer abschließend dann noch sinngemäß: „Was seid ihr so verwundert, weil ich so gütig bin“. Kann man das so machen? Was ist das für eine Gerechtigkeit?

Ja, was ist das für eine Gerechtigkeit?
Vielleicht kennen wir die Geschichte, von dem kleinen Jungen, der seine bescheidenen Taschengeldvorräte aufbessern will. Nach kurzer Überlegung schreibt er seiner Mutter eine Rechnung mit z.B. folgenden Posten: „den Rasen gesprengt: 3 €“; „beim Autowaschen geholfen: 2,50 €“; „das Unkraut im Garten ausgezupft: 5 €“; „in Mathe eine Eins geschrieben: 2 €“; Am Ende ergibt die Aufstellung einen Betrag von knapp 20 €. Diese legt er der Mutter vor.
Bei der Mutter weckt diese Aufstellung tausend Erinnerungen. Behutsam versucht sie eine Gegenrechnung aufzustellen: „Ich trug dich neun Monate“; „ich wachte an deinem Bett“; „ich weinte um dich“ ... Für jeden Posten notiert sie einen Betrag. Einzeln wie in der Summe ergibt sich: „keinen Cent“.
Dem Sohn, der diese „Rechnung“ liest, stehen Tränen in den Augen. Er nimmt seinen Stift und schreibt mit großen Buchstaben „alles bezahlt“.

Mag diese Geschichte noch so pathetisch klingen, sie zeigt uns, dass es noch eine andere Gerechtigkeit gibt. Eine Gerechtigkeit,  ohne die eine Gesellschaft auf Dauer auch nicht funktionieren kann.
Das Beispiel vom Kind und der Mutter unterbricht das gewöhnliche Rechnungswesen. Nicht alles kann und darf verrechnet werden – und das gilt womöglich, oder noch viel mehr für die Kerngebiete menschlicher Existenz. Für Glaube, Hoffnung, Liebe kann es keine Preisschildchen geben. Und auch für das Leid und das Verzeihen sind keine Buchhalter zuständig. Wir alle leben von Voraussetzungen, die wir nicht selber geschaffen haben. Wer von uns hat sich selber das Leben gegeben? Wer von uns kann machen, dass er einen neuen Tag erlebt? Wir alle leben aus einem großen Reservoir menschlicher Zuwendung und Gottes Güte.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

Pfr. Morgenstern, Wyhratal